Dippoldiswalde entdecken: Schloss, Bergbaumuseum MiBERZ, Lohgerber-Museum und Altstadt
Ein Rundgang durch Dipps, wie die Einheimischen sagen: vom Museumspreisträger über das Schloss mit 800 Jahre alten Bergbaufunden bis zur romanischen Friedhofskirche. Alles liegt so dicht beieinander, dass ein halber Tag reicht.

Dippoldiswalde hat knapp 14.000 Einwohner, zwei Museen, von denen eines 2023 den Hauptpreis des Sächsischen Museumspreises gewonnen hat, und unter der Altstadt Bergwerke aus dem 12. Jahrhundert. Trotzdem kennen viele den Ort nur als Zwischenhalt der Dampfbahn. Dabei lässt sich die Stadt bequem zu Fuß erkunden: Von unseren Apartments an der Bahnhofstraße bis zum Schloss sind es keine zehn Minuten. Wir beschreiben den Rundgang so, wie wir ihn Gästen auf der Karte zeigen würden, mit der ungefähren Gehzeit ab Haustür.
Der Rundgang in sechs Stationen
1. Bahnhof der Weißeritztalbahn (3 Minuten)
Ein guter Startpunkt, auch wenn Sie nicht mitfahren. Zweimal am Tag hält hier die Dampflok auf dem Weg nach Kipsdorf und nimmt Wasser. Wann genau, steht in unserem Beitrag zur Weißeritztalbahn. Am Bahnhof gibt es den Bimmelbahnshop.
2. LOHGERBER MUSEUM & GALERIE (3 Minuten)
An der Freiberger Straße 18, Ecke Altenberger Straße, steht eine Lohgerberei aus der Zeit um 1750: barockes Wohnhaus der Gerberfamilie Ulbrich, eine dreigeschossige Werkstatt und ein Zwischenbau. Nachdem Echter Hausschwamm gefunden wurde, war das Haus von Oktober 2018 bis März 2022 geschlossen und wurde umfassend saniert. Im November 2023 bekam es den mit 20.000 Euro dotierten Hauptpreis des Sächsischen Museumspreises.
Im Mittelpunkt steht die originalgetreu erhaltene Gerberwerkstatt mit Wasserwerkstatt, Zurichtstube und Gesellenkammer. Gegerbt wurde mit Lohe, also zerkleinerter Baumrinde, und das Handwerk brauchte viel Wasser und viel Zeit. In der Werkstatt lassen sich die einzelnen Arbeitsschritte nachvollziehen. Im Wohnhaus sind die restaurierten Räume der Familie mit klassizistischen Wandmalereien zu sehen, oben im Mansardgeschoss hängt Kunst aus dem Osterzgebirge, unter anderem von Curt Querner und Heribert Fischer-Geising.
Für Kinder ab sechs gibt es das Suchspiel „ArchitekturSpur“ mit 16 versteckten Buchstaben, in der Lederkammer eine offene Kreativwerkstatt. Das Haus ist barrierefrei, Parkplätze liegen kostenfrei hinter dem Museum (Zufahrt von der Alten Altenberger Straße über „Am Mühlgraben“).

3. Markt und Rathaus (7 Minuten)
Vom Museum geht es bergauf in die Altstadt. Der Marktplatz ist mittelalterlich angelegt, das Rathaus stammt im Kern aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Schauen Sie sich die Sandsteinportale an, eines davon mit Sitznischen links und rechts der Tür. Im Rathaus (Markt 2) sitzt auch das Sachgebiet Tourismus der Stadt.
4. Schloss und MiBERZ (9 Minuten)
Über die Gassen hinter dem Markt kommen Sie zum Kirchplatz. Das Schloss entstand als Höhenburg der Meißner Markgrafen über dem Tal der Roten Weißeritz, auch zum Schutz des Bergbaus. 1266 ist mit dem Ritter von Clomen der erste Besitzer belegt. Im Hussitenkrieg brannte die Burg 1429 ab, ab 1503 ließen die Herren von Maltitz sie im Stil der Renaissance umbauen. An der Hofseite sehen Sie die Pilasterfassade des Nürnberger Baumeisters Peter Flötner mit Reliefs von Delfinen, Laubwerk und Fürstenköpfen. Heute ist im Schloss auch das Amtsgericht untergebracht.
Im Untergeschoss liegt in sechs gewölbten Räumen seit 2018 das Museum für mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge (MiBERZ). Gezeigt werden Funde aus den hochmittelalterlichen Silbergruben, die direkt unter der Stadt liegen: Geräte und Techniken, mit denen Silbererz abgebaut und verarbeitet wurde, über 800 Jahre alt und erstaunlich gut erhalten. Mit einer VR-Brille können Sie selbst im mittelalterlichen Stollen Erz abbauen. Seit 2019 gehören diese Bergwerke zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, als dessen ältester Bestandteil. Beschriftet ist auf Deutsch und Tschechisch. Ehrlicher Hinweis: Die Gewölberäume sind nicht barrierefrei.

5. Stadtkirche St. Marien und Laurentius (gleich nebenan)
Direkt neben dem Schloss steht die Stadtkirche, eine gotische Hallenkirche mit romanischem Westturm und frühbarocker Ausstattung. Ihren Turm sehen Sie schon von weitem über den Dächern.
6. Nikolaikirche in der Unterstadt (etwas weiter)
Wer noch Lust hat, geht hinunter in die Unterstadt zum Friedhof. Dort steht die Nikolaikirche, gebaut in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als dreischiffige spätromanische Basilika ohne Turm. Sie ist älter als fast alles andere in der Stadt und hat sich baulich kaum verändert. Innen gibt es Wandmalereien aus dem 13. und 14. Jahrhundert und einen spätgotischen Schnitzaltar. Die Kirche wird als Friedhofskirche genutzt; ob und wann sie geöffnet ist, erfahren Sie bei der evangelischen Kirchgemeinde.

Die beiden Museen auf einen Blick
| LOHGERBER MUSEUM & GALERIE | MiBERZ im Schloss | |
|---|---|---|
| Adresse | Freiberger Straße 18 | Kirchplatz 8 |
| Thema | Gerberhandwerk, Stadtgeschichte, Kunst des Osterzgebirges | Mittelalterlicher Silberbergbau unter der Stadt |
| Öffnungszeiten | Di–So und feiertags 10–17 Uhr | Di–So und feiertags 10–17 Uhr |
| Geschlossen | montags, 24. und 31. Dezember | montags, 24. und 31. Dezember |
| Barrierefrei | ja | nein |
| Zeit (unsere Schätzung) | 1–1,5 Stunden | etwa 1 Stunde |
Für beide Häuser gibt es eine Kombikarte, für Erwachsene 10 € (Stand Oktober 2026). Kinder unter sieben Jahren haben freien Eintritt. Aktuelle Preise und Sonderausstellungen stehen auf der Seite der Städtischen Museen Dippoldiswalde.
Bergbau zum Nachgehen: der Lehrpfad
Was im MiBERZ in Vitrinen liegt, wurde an ganz bestimmten Stellen in der Stadt ausgegraben. Der Bergbaulehrpfad führt seit 2018 zu sechs dieser Orte, an denen Archäologen geforscht haben. Am besten beginnen Sie ihn im Museum, wo es auch den Flyer gibt. Der Förderverein mittelalterlicher Bergbau Dippoldiswalde bietet auf Anfrage Führungen an, Kontakt über die Seite des Fördervereins zum Lehrpfad.
Wer danach Lust auf den jüngeren Bergbau weiter oben im Gebirge bekommt: Der Zinnbergbau in Altenberg mit Pinge und Besucherbergwerk ist ein ganz anderes Kapitel, das wir unter Bergbau in Altenberg beschreiben.
Mit Gästeführer durch die Stadt
Die Stadt listet mehrere Gästeführer: eine Stadtführung mit dem sagenhaften Stadtgründer „Dippold“, Rundgänge mit dem Nachtwächter, thematische Wanderungen rund um Reichstädt und Führungen am Bergbaulehrpfad. Feste Termine gibt es nicht immer; man vereinbart die Führung direkt. Namen und Telefonnummern stehen auf der Seite Stadtführungen der Stadt Dippoldiswalde.
Raus aus der Stadt: die Dippoldiswalder Heide
Nördlich der Stadt beginnt die Dippoldiswalder Heide, ein rund 12 Quadratkilometer großes, hügeliges Waldgebiet zwischen 310 und 411 Metern Höhe. Es ist Landschaftsschutzgebiet und grenzt im Südwesten an die Talsperre Malter. Ein paar Ziele darin:
- Einsiedlerstein: ein etwa zehn Meter hoher Sandsteinfelsen, um den sich die Sage vom Einsiedler Dippold rankt.
- Wolfssäule: ein rund zwei Meter hohes Denkmal für einen Wolf, der hier 1802 erlegt wurde. Sie liegt am ausgeschilderten Weg von Malter nach Dippoldiswalde.
- König-Johann-Turm: ein 20 Meter hoher Aussichtsturm, gebaut 1885/86.
- Barbarakapelle: Die der Schutzheiligen der Bergleute geweihte Kapelle wurde 1507 gebaut und schon 1530 wieder zerstört.
Eine kürzere Alternative direkt am Stadtrand ist der historische Rundwanderweg Berreuth: sieben Kilometer, rund zwei Stunden, über einen Teil des alten Pilgerwegs zu Ehren des heiligen Benno, am Schwarzen Teich und an einer Brettmühle von 1790 vorbei.
Wenn es regnet oder Sie mehr Zeit haben
Beide Museen sind gute Ziele für einen Regentag, mehr Ideen dafür sammeln wir unter Osterzgebirge bei Regen. Im Kulturzentrum Parksäle laufen übers Jahr Theater, Konzerte und Kabarett. Und wer das Umland erkunden möchte, findet in unserer Übersicht Ausflugsziele im Osterzgebirge Ziele bis hinauf nach Altenberg und hinüber nach Tschechien.
Mitten in der Stadt wohnen
Unsere zwei Apartments in Dippoldiswalde liegen an der Bahnhofstraße 15, drei Gehminuten vom Lohgerber-Museum und vom Bahnhof. Eines ist für bis zu vier, eines für bis zu fünf Gäste eingerichtet, beide mit eigener Küche und Waschmaschine. Pro Apartment und Nacht zahlen Sie ab 70 €.
Freie Termine erfahren Sie direkt bei uns, telefonisch oder per WhatsApp unter +49 1514 1213283 oder +49 1525 1644356.
Häufige Fragen
Warum heißt Dippoldiswalde auch Dipps?
„Dipps“ ist die gängige Kurzform des Stadtnamens. Auch die Stadt selbst und örtliche Gästeführer verwenden sie, etwa bei der Stadtführung „Mit dem Dippold durch Dipps“.
Wie alt ist Dippoldiswalde?
Urkundlich erwähnt wird der Ort erstmals am 11. Juni 1218. Die Sage führt den Namen auf einen Einsiedler namens Dippold zurück, der um 800 in der Dippoldiswalder Heide gelebt haben soll. Die ältesten datierten Grubenhölzer aus dem Bergbau unter der Stadt stammen von 1158.
Wo bekomme ich in Dippoldiswalde touristische Auskünfte?
Im Rathaus am Markt 2 sitzt das Sachgebiet Tourismus der Stadt, erreichbar unter 03504 64990. Flyer zum Bergbaulehrpfad gibt es außerdem im MiBERZ.


